An diesem Morgen war erstmal Abschied angesagt, Jo. würde sich weiter auf die Reise durch Europa machen. Haben natürlich vorher noch Mailadressen ausgetauscht.
Als nächstes wollte ich einen weiteren Punkt auf meiner halbimaginären Liste abhaken. Was ich dann von 10 Downing Street gesehen hab, bestand blöderweise hauptsächlich aus Zaun und Touristen. Letztere gab’s natürlich auch in Massen beim Wachwechsel vor dem Buckingham Palace. Während der Platz sich füllte, hatten die Bobbies (abermals in schickem gelborange bewestet) gut zu tun, die Leute von der Straße fernzuhalten. Das Spektakel zog sich über eine Stunde lang hin, ich hatte einen ganz guten Blick auf das Geschehen auf der Straße und einen sehr schlechten auf alles, was sich beim eigentlichen Wachwechsel vor dem Palast abspielte. Nunja, wenigstens die lustigen Hüte hab ich ausführlich betrachten können, dazu gab’s Marschmusik.
Quasi um die Ecke des Palastes ist Hyde Park, wo ich mich heute ausgiebiger umsehen wollte. Hatte leider die ganze Zeit mit einer ominösen Allergie zu kämpfen, die sich wohl diesen Sommer ausgesucht hatte, um voll auszubrechen. Im Hyde Park kam mir irgendwann die schon erwähnte Erkenntnis, dass die Stadt London ihre Hinweisschilder einzig und allein aufstellt, um Touristen zu verwirren. Vielleicht auch zur Besänftigung der vielen Menschen, die sich vor den Überwachungsmonitoren des CCTV sonst zu Tode langweilen würden, wer weiß. Auf ging’s zur nächsten Attraktion, Speakers Corner war selbst für Orientierungsgenies wie mich kaum zu verfehlen und stellte sich als genau so lustig heraus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein dutzend Leute – größtenteils Männer- lamentieren über Gott und die Welt – größtenteils Gott – und sammeln mehr oder weniger große Zuhörertrauben um sich herum.
Der restliche Weg durch Hyde Park und Kensington Gardens machte mir klar, wie riesig diese Anlage ist. Die beiden Teile werden von der Serpentine (einem See) getrennt. Vorsicht vor Inline Skatern und solchen, die es mal werden sollen und besonderes Augenmerk auf das Boot, dass einen bei Bedarf über die Serpentine bringt: Es ist solarbetrieben. Zur Fahrt damit kann ich nix sagen, da ich den Umweg über die Brücke genommen habe. Vor dem Irrweg durch Kensington Gardens setzte ich mir das Ziel, direkt vor der Royal Albert Hall aus dem Park zu kommen. Nunja. Ich hab die Peter Pan Statue gesehen, nach mehrmaligem Vorbeilaufen die Princess Diana Fountain als solche erkannt und mein Ziel natürlich um einige hundert Meter verfehlt.
Nach all der Lauferei war ich hungrig und hab mich auf die Suche nach einem All-You-Can-Eat gemacht, dessen Flyer mir Jo. in die Hand gedrückt hatte. Mehr oder weniger schnell – jedenfalls schnell genug, um nicht vorher zu verhungern – hab ich es gefunden. Ein kleines sezchuan-chinesisches Restaurant im Keller mit sehr gewöhnungsbedürftigem Ambiente. Ich persönlich seh mir jedenfalls nicht so gern beim Essen zu, was sich dort wegen der rundum verspiegelten Wände kaum vermeiden ließ. Ich vermute, dadurch sollte der doch ziemlich enge Keller größer wirken. Gleich nach dem Reinkommen hab ich mich mal wieder blamiert. Sollte wirklich daran denken, mich nicht einfach irgendwo hinzusetzen. Wenn man’s doch aber so gewohnt ist… Wieauchimmer, das Essen war lecker, insbesondere das Sezchuan-Hühnchen kann ich nur weiterempfehlen. Rechnung inklusive Getränk und Trinkgeld war 6 Pfund.
Den Nachmittag wollte ich in Camden Town verbringen, gewünschtes Transportmittel: Waterbus. Ich fuhr also mit der Tube nach St. Johns Wood, wo ich am Ausgang über einen Beatlesshop und Wegweiser zur Abbey Road stolperte. Die mussten aber beide noch auf mich warten. Ich lief durch das sehr idyllische St. Johns Wood zum Regents Park, fand die Anlegestelle des Waterbus nicht und bin gelaufen. So gab es statt der Bootsfahrt eben Einblicke in den London Zoo, der vom Kanal zerteilt wird. So schlimm war das Laufen also nicht, ich war ja inzwischen geübt und wer mich kennt weiß auch, wie sehr ich Kanäle mag.
Die Musik in Camden Town war leider unlive, dafür entschädigte der abwechslungsreiche Markt und sehr leckeres Essen. Hab mich mit einem etwas seltsamen aber netten Typen unterhalten und dann das Time Out Magazine um Rat gefragt: Was sollte ich mit diesem Abend anfangen? Die Antwort war 99 Club Leicester Square. Ein Comedy Club, dessen Zuschauer nach Umfrage zu mindestens 80 Prozent durch die Empfehlung im Time Out rekrutiert worden waren. Zwei Stunden lang ging die Show, mit Auftritten von drei oder vier Comedians, netter Atmosphäre, bequemen Sesseln, für 7 Pfund Eintritt. An viel kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiß, dass die Show gut war, eventuelle Leser können das hier also als Empfehlung verstehen. 99 Club Leicester Square, London.
Inzwischen war es 23 Uhr und ich machte mir noch auf dem Weg nach draußen Sorgen, wo ich jetzt etwas zu Essen herbekommen sollte. Beim Anblick von Leicester Square um diese Uhrzeit ahnte ich, dass meine Sorgen unbegründet waren. Jetzt schreien vielleicht manche auf, das sei doch klar, 23 Uhr ist schließlich noch keine Uhrzeit. Dann lauft mal an einem Wochentag nach zehn Uhr abends durch Dresden. Back to London, Sandwichbars sind wirklich ein prima Konzept, erinnerte mich an eine bestimme Folge von King of Queens.