Verfasst von: jalea | November 24, 2007

Auszug aus einem noch namenlosen Werk

„Eines ist klar: Ich muss dringend hier weg. Wenn ich nicht bald etwas Abwechslung bekomme, ersticke ich.“ Svea nickte zustimmend. Wie jeden Morgen saß sie zusammen mit Basti in ihrer gemeinsamen Küche und trank starken Kaffee, während ihr Mitbewohner schon die zweite Schüssel Schokoladenmüsli in sich reinstopfte.
„Weißt du…“ redete dieser gemächlich kauend weiter, „das Leben ist wie ein irrsinnig verzweigtes Schienennetz. Und manchmal musst du die Notbremse ziehen und aus deinem 1.-Klasse-Abteil im ICE in den Güterzug springen, der gerade vorbeifährt.“
„Und wohin fährt dein Güterzug?“
„Das ist mein Problem. Die Fahrtzielanzeige ist ausgefallen und die Zugbegleiter streiken. Ich hoffe einfach, dass er nicht zehn Kilometer weiter an einer Felswand zerschellt.“

Nachdenklich rührte Svea in ihrem Kaffee. Am Vorabend hatte sie gehört, wie Basti in seinen chaotischen 15 Quadratmetern herumwühlte. Nach einigem Gepolter und Geklirr, das verdächtig nach zerbrechender Keramik klang, war er in der Wohnküche aufgetaucht.
„Die Palme braucht einen neuen Topf.“
Mit diesen Worten hatte er sich die verschwitzten Haare aus dem Gesicht gestrichen, dabei einen Streifen feuchter Pflanzenerde auf seiner Stirn hinterlassen und war wieder verschwunden. Aus Sorge, Basti würde womöglich am aufgewühlten Staub der Jahre ersticken oder von seinem stets vor Überlast schwankenden Bücherregal erschlagen werden, war Svea ihm in sein Zimmer gefolgt.
„Ich räume auf.“
„Das sehe ich …“

Svea merkte plötzlich, wie Bastis Blick auf ihr ruhte und schreckte auf.
„Du warst gerade ganz schön weggetreten,“ meinte dieser.
„Du willst es also wirklich durchziehen?“
Er schwieg sie an.
„Du weißt was ich meine. Gestern Abend hast du das erste Mal aufgeräumt seit unserem Einzug vor drei Jahren. Und ich hab deinen gepackten Rucksack gesehen.“


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