Verfasst von: jalea | Februar 11, 2008

„Einbruch“ wider Willen

Man stelle sich Folgendes vor: Jemand möchte mal wieder Joggen gehen. Es ist 18 Uhr im Februar, also stockdunkel. Derjenige sucht sich eine Route am ortseigenen Fluss aus, fährt hin und läuft nichtsahnend los. Schnell merkt die Person, dass sie wohl den falschen Weg erwischt haben muss. Dieser neigt sich nämlich recht bedenklich Richtung Wasser, ist rutschig und unbefestigt und mutet mehr wie ein Trampelpfad an also wie eine häufig benutze Joggingstrecke. Unser Protagonist macht sich nichts daraus, denn irgendwann muss der Pfad schließlich auf den asphaltierten Weg treffen, der auf dieser Seite des Flusses entlangführt. Nach einem Zwischenfall mit beunruhigtem Federvieh im Unterholz – inzwischen sind gut 10 Minuten vergangen – freut sich der Läufer, denn er sieht eine Böschung und eine zivilisierte Straße. Doch oh Schreck, ein Tor! Verschlossen, mit Zaun links und rechts davon. Das Gelände stellt sich als Privatgelände eines Bootsvereins heraus. Der Jogger, mittlerweile recht erschöpft vom Stolperlauf am Rande des Flusses, möchte nicht umdrehen. Todesmutig wagt er sich also weiter auf das Grundstück, hofft, dass sich der Bootsverein keinen Wachhund leisten kann und sucht nach einer Lücke im Zaun. Lücken sind da keine, der Drahtzaun ist ordentlich im Boden befestigt, doch endlich: Der Verein bewahrt einen Haufen Gestein am Rande der Begrenzung auf. Der Sportler zögert nur kurz, wirft dann zuerst seine Trinkflasche auf die ausgestorbene Straße auf der anderen Seite und springt direkt hinterher.

Und so setzte er seinen Lauf fort, wünschte sich einige Male eine Stirnlampe herbei und kam schließlich nach 10 Kilometern erschöpft am Ausgangsort an.

Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt und reiner Zufall.

Oder?

Verfasst von: jalea | Dezember 23, 2007

7. Mai

Ein Wort: Harrods. Wer schon einmal da war, weiß jetzt schon Bescheid und kann eigentlich die nächsten Zeilen überspringen. Der Rest lässt sich sagen, dass dieses Kaufhaus der Wahnsinn ist. Selbst ich hab geschlagene anderthalb Stunden darin verbracht, und das will schon was heißen. Im Food Store hätte man mich gern einschließen dürfen, die Schokoladenabteilung konnte man schon in einigen Metern Entfernung riechen und die Buchabteilung hätte ich am Liebsten leergekauft. Man kann dort Möbel kaufen, die aussehen wie aus einem Film (okay, einem ziemlich alten Film), in der Spieleabteilung nach albernen Mitbringseln suchen und sich mit Sportgeräten im Wert von einigen tausend Pfund eindecken. Irgendwann kauf ich mir dieses Teil, von dem man sich durch das weite Meer ziehen lassen kann, und damit meine ich keinen Kite. Und auch ohne in einer bestimmten Abteilung zu sein, hat man was zu sehen: Der Egyptian Escalator wird sogar ausgeschildert, Rolltreppen führen durch ein Treppenhaus in ägyptischem Stil. Mit zu viel Gepäck sollte man übrigens nicht einkaufen gehen, ich musste meinen Rucksack absetzen und an der Hand durch die Gegend tragen. For safety reasons. Sure… Ich frag mich nur, wie das Leute machen, die auch tatsächlich etwas kaufen wollen. Und muss ich eigentlich noch erwähnen, dass ich mich auch an diesem Ort wiederholt rettungslos verfranst habe?

Vor dem englischen Bindfadenregen draußen flüchtete ich mich schnell zum National History Museum, das zufällig um die Ecke lag. Leider war ich nicht die einzige mit dieser Idee, insbesondere gefühlte tausende von Eltern mit Kleinkindern hatten sich diesen Tag ausgesucht, das Museum unsicher zu machen. Furchtbar anstrengend. Und außerdem waren die lieben Kleinen immer an genau den Learning-By-Doing-Experimentiergeräten, die ich gerade ausprobieren wollte. Den scheinbar meistbevölkerten der drei Museumsteile hab ich aus Zeitmangel von Vornherein ausgelassen, kann man ja irgendwann mal nachholen. Das National History Museum gehört zu der Reihe Londoner Museen, die keinen Eintritt kosten. Am meisten gefallen haben mir der nachgebildete Regenwald und die lebensechte Erdbebensimulation. Wenn plötzlich der Fußboden wackelt… hui!

Zum Mittagessen machte ich das nächste All-You-Can-Eat unsicher, diesmal gab’s lecker indisches Essen für 6,60 Pfund, ohne Getränk. Gegen Ende muss ich irgendwas falsch gemacht haben, der Kellner erschien mir plötzlich ziemlich kühl. Ich werd doch nicht zu viel gegessen haben?

Nächster Halt: 221 B Baker Street, Sherlock Holmes. Nunja, Sherlock Holmes Museum und Souvenirladen, um genau zu sein. Schon der Laden war sehr liebevoll ausgestattet, ich hab mir ein Buch gekauft, die Pfeifen liegengelassen und mir auch das Museum für ein anderes Mal aufgehoben / aufheben müssen. Fast daneben befindet sich der Beatles Store, der auch Touren durch London anbietet. Am nächsten Tag wollte ich an einer solchen teilnehmen. Meine nächste tolle Entdeckung war das Museum of London im Barbican Centre. Ich kam kurz vor Schluss, konnte also nur mal kurz die Nase reinstecken, aber das sah schon sehr aufwendig und abermals liebevoll gemacht aus, da wollte ich unbedingt noch einmal hin.

Zum Abschluss dieses Eintrages gibt es noch ein paar meiner Random Notes, a.k.a. diverse Beobachtungen:

  •  Barbican Centre ist eigentlich wirklich nicht besonders hübsch mit seinen grauen Wohnhäusern, wird aber durch ein paar Dinge aufgewertet: eine sehr hübsche Kirche, Wasserbecken innerhalb der Häusercarrees, Pflanzen auf nahezu allen Balkonen. Lediglich bessere Beschilderung wäre wie immer wünschenswert.
  • In der Tube ist mir ein Schild aufgefallen. Aufschrift: „If you see somebody vandalizing, call XXXXXXX“, darunter die Abbildung eines Hubschraubers. Hatte darauf einen lustigen Tagtraum, mit Hubschraubern, die durch Tubetunnel fliegen und Graffitisprayer jagen.
  • Auch meist in der Tube hängen Werbeplakate für den Dienst als Special Constable, was ich für so eine Art freiwillige Hilfspolizisten halte. To make London a safer place, Einsatzzeiten ab 16 Stunden pro Monat, mit vorheriger Polizeiausbildung.
  • Notiz an mich selbst: Niemals den Rucksack in der Station vergessen, er würde heutzutage vermutlich ohne weitere Umstände vorsorglich in die Luft gesprengt werden.
Verfasst von: jalea | Dezember 23, 2007

6. Mai

An diesem Morgen war erstmal Abschied angesagt, Jo. würde sich weiter auf die Reise durch Europa machen. Haben natürlich vorher noch Mailadressen ausgetauscht.

Als nächstes wollte ich einen weiteren Punkt auf meiner halbimaginären Liste abhaken. Was ich dann von 10 Downing Street gesehen hab, bestand blöderweise hauptsächlich aus Zaun und Touristen. Letztere gab’s natürlich auch in Massen beim Wachwechsel vor dem Buckingham Palace. Während der Platz sich füllte, hatten die Bobbies (abermals in schickem gelborange bewestet) gut zu tun, die Leute von der Straße fernzuhalten. Das Spektakel zog sich über eine Stunde lang hin, ich hatte einen ganz guten Blick auf das Geschehen auf der Straße und einen sehr schlechten auf alles, was sich beim eigentlichen Wachwechsel vor dem Palast abspielte. Nunja, wenigstens die lustigen Hüte hab ich ausführlich betrachten können, dazu gab’s Marschmusik.

Quasi um die Ecke des Palastes ist Hyde Park, wo ich mich heute ausgiebiger umsehen wollte. Hatte leider die ganze Zeit mit einer ominösen Allergie zu kämpfen, die sich wohl diesen Sommer ausgesucht hatte, um voll auszubrechen. Im Hyde Park kam mir irgendwann die schon erwähnte Erkenntnis, dass die Stadt London ihre Hinweisschilder einzig und allein aufstellt, um Touristen zu verwirren. Vielleicht auch zur Besänftigung der vielen Menschen, die sich vor den Überwachungsmonitoren des CCTV sonst zu Tode langweilen würden, wer weiß. Auf ging’s zur nächsten Attraktion, Speakers Corner war selbst für Orientierungsgenies wie mich kaum zu verfehlen und stellte sich als genau so lustig heraus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein dutzend Leute – größtenteils Männer- lamentieren über Gott und die Welt – größtenteils Gott – und sammeln mehr oder weniger große Zuhörertrauben um sich herum.

Der restliche Weg durch Hyde Park und Kensington Gardens machte mir klar, wie riesig diese Anlage ist. Die beiden Teile werden von der Serpentine (einem See) getrennt. Vorsicht vor Inline Skatern und solchen, die es mal werden sollen und besonderes Augenmerk auf das Boot, dass einen bei Bedarf über die Serpentine bringt: Es ist solarbetrieben. Zur Fahrt damit kann ich nix sagen, da ich den Umweg über die Brücke genommen habe. Vor dem Irrweg durch Kensington Gardens setzte ich mir das Ziel, direkt vor der Royal Albert Hall aus dem Park zu kommen. Nunja. Ich hab die Peter Pan Statue gesehen, nach mehrmaligem Vorbeilaufen die Princess Diana Fountain als solche erkannt und mein Ziel natürlich um einige hundert Meter verfehlt.

Nach all der Lauferei war ich hungrig und hab mich auf die Suche nach einem All-You-Can-Eat gemacht, dessen Flyer mir Jo. in die Hand gedrückt hatte. Mehr oder weniger schnell – jedenfalls schnell genug, um nicht vorher zu verhungern – hab ich es gefunden. Ein kleines sezchuan-chinesisches Restaurant im Keller mit sehr gewöhnungsbedürftigem Ambiente. Ich persönlich seh mir jedenfalls nicht so gern beim Essen zu, was sich dort wegen der rundum verspiegelten Wände kaum vermeiden ließ. Ich vermute, dadurch sollte der doch ziemlich enge Keller größer wirken. Gleich nach dem Reinkommen hab ich mich mal wieder blamiert. Sollte wirklich daran denken, mich nicht einfach irgendwo hinzusetzen. Wenn man’s doch aber so gewohnt ist… Wieauchimmer, das Essen war lecker, insbesondere das Sezchuan-Hühnchen kann ich nur weiterempfehlen. Rechnung inklusive Getränk und Trinkgeld war 6 Pfund.

Den Nachmittag wollte ich in Camden Town verbringen, gewünschtes Transportmittel: Waterbus. Ich fuhr also mit der Tube nach St. Johns Wood, wo ich am Ausgang über einen Beatlesshop und Wegweiser zur Abbey Road stolperte. Die mussten aber beide noch auf mich warten. Ich lief durch das sehr idyllische St. Johns Wood zum Regents Park, fand die Anlegestelle des Waterbus nicht und bin gelaufen. So gab es statt der Bootsfahrt eben Einblicke in den London Zoo, der vom Kanal zerteilt wird. So schlimm war das Laufen also nicht, ich war ja inzwischen geübt und wer mich kennt weiß auch, wie sehr ich Kanäle mag.

Die Musik in Camden Town war leider unlive, dafür entschädigte der abwechslungsreiche Markt und sehr leckeres Essen. Hab mich mit einem etwas seltsamen aber netten Typen unterhalten und dann das Time Out Magazine um Rat gefragt: Was sollte ich mit diesem Abend anfangen? Die Antwort war 99 Club Leicester Square. Ein Comedy Club, dessen Zuschauer nach Umfrage zu mindestens 80 Prozent durch die Empfehlung im Time Out rekrutiert worden waren. Zwei Stunden lang ging die Show, mit Auftritten von drei oder vier Comedians, netter Atmosphäre, bequemen Sesseln, für 7 Pfund Eintritt. An viel kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiß, dass die Show gut war, eventuelle Leser können das hier also als Empfehlung verstehen. 99 Club Leicester Square, London.

Inzwischen war es 23 Uhr und ich machte mir noch auf dem Weg nach draußen Sorgen, wo ich jetzt etwas zu Essen herbekommen sollte. Beim Anblick von Leicester Square um diese Uhrzeit ahnte ich, dass meine Sorgen unbegründet waren. Jetzt schreien vielleicht manche auf, das sei doch klar, 23 Uhr ist schließlich noch keine Uhrzeit. Dann lauft mal an einem Wochentag nach zehn Uhr abends durch Dresden. Back to London, Sandwichbars sind wirklich ein prima Konzept, erinnerte mich an eine bestimme Folge von King of Queens.

Verfasst von: jalea | Dezember 10, 2007

In a rush

If I saw you again today, would I walk away

Or decide to stay and try again

What did not work last time

Hope for better luck just to be struck by lightning

Once again and always trying to forget you

Looking forward while getting drawn back

by chaotic thoughts of might-have-beens

Ach herrje… ich glaube, ich geh dann mal lieber schlafen.
Geschrieben Gekritzelt übrigens auf meiner Lieblingsunterlagen: einem alten Briefumschlag. Einfach, weil es so einen poetisch-chaotischen Touch hat.

Verfasst von: jalea | Dezember 9, 2007

Freiheit gegen Sicherheit, Vorschlag #153

Polizeichefs wollen „Großen Spähangriff“

„Fahnder fordern die Total-Überwachung: Auf der Jagd nach Terrorverdächtigen wollen die Ermittler in Zukunft Wohnungen mit versteckten Kameras ausspähen, W-Lan-Kommunikation abfangen und Telefonate schon dann abhören, wenn die Teilnehmer noch gar keine Beschuldigten sind.“

Ich beginne mich zu fragen, ob das BKA George Orwells „1984″ zum Handbuch erklärt hat. Titel umbenannt in „Überwachung leichtgemacht – der Bürger von heute ist der Verdächtige von morgen“. Ich weiß, der 1984-Vergleich erscheint vielleicht ein wenig ausgelutscht und manch einer mag es schon nicht mehr hören, aber mal ehrlich: Die Parallelen sind nicht zu leugnen.

Ich jedenfalls nehme keine Flachbildfernseher von Fremden in schwarzen Anzügen mehr an.

Verfasst von: jalea | November 24, 2007

Auszug aus einem noch namenlosen Werk

„Eines ist klar: Ich muss dringend hier weg. Wenn ich nicht bald etwas Abwechslung bekomme, ersticke ich.“ Svea nickte zustimmend. Wie jeden Morgen saß sie zusammen mit Basti in ihrer gemeinsamen Küche und trank starken Kaffee, während ihr Mitbewohner schon die zweite Schüssel Schokoladenmüsli in sich reinstopfte.
„Weißt du…“ redete dieser gemächlich kauend weiter, „das Leben ist wie ein irrsinnig verzweigtes Schienennetz. Und manchmal musst du die Notbremse ziehen und aus deinem 1.-Klasse-Abteil im ICE in den Güterzug springen, der gerade vorbeifährt.“
„Und wohin fährt dein Güterzug?“
„Das ist mein Problem. Die Fahrtzielanzeige ist ausgefallen und die Zugbegleiter streiken. Ich hoffe einfach, dass er nicht zehn Kilometer weiter an einer Felswand zerschellt.“

Nachdenklich rührte Svea in ihrem Kaffee. Am Vorabend hatte sie gehört, wie Basti in seinen chaotischen 15 Quadratmetern herumwühlte. Nach einigem Gepolter und Geklirr, das verdächtig nach zerbrechender Keramik klang, war er in der Wohnküche aufgetaucht.
„Die Palme braucht einen neuen Topf.“
Mit diesen Worten hatte er sich die verschwitzten Haare aus dem Gesicht gestrichen, dabei einen Streifen feuchter Pflanzenerde auf seiner Stirn hinterlassen und war wieder verschwunden. Aus Sorge, Basti würde womöglich am aufgewühlten Staub der Jahre ersticken oder von seinem stets vor Überlast schwankenden Bücherregal erschlagen werden, war Svea ihm in sein Zimmer gefolgt.
„Ich räume auf.“
„Das sehe ich …“

Svea merkte plötzlich, wie Bastis Blick auf ihr ruhte und schreckte auf.
„Du warst gerade ganz schön weggetreten,“ meinte dieser.
„Du willst es also wirklich durchziehen?“
Er schwieg sie an.
„Du weißt was ich meine. Gestern Abend hast du das erste Mal aufgeräumt seit unserem Einzug vor drei Jahren. Und ich hab deinen gepackten Rucksack gesehen.“

Verfasst von: jalea | November 21, 2007

Wechsel

Es ist vollbracht!

Ich hab sämtliche Beitrage aus meinem alten Blog hierherkopiert. Jetzt fehlt mir nur noch ein guter Name und dann kann’s weitergehen. Die Funktionen hier sind um einiges komfortabler als bei myblog.de. Nur schade, dass ich nichts importieren konnte, aber naja.

Südsee für alle!

Verfasst von: jalea | November 12, 2007

Random

Crap. Hollywoods Autorenstreik betrifft jetzt auch eine meiner Lieblingsserien: der Start der nächsten Season von 24 ist auf unbekannte Zeit verschoben worden. Dabei war Januar schon so nah. Gebt den Autoren doch einfach ihr Geld und lasst mich meine Droge Serie haben. ;)

Ich hab zwar noch keine Wohnung, geschweige denn einen sicheren Studienplatz, aber etwas (das Wichtigste?) hab ich schon: einen Kühlschrank! Irgendwie hat das ja was.

Glaubt eigentlich irgendjemand daran, dass ich meine Londonnotizen vor dem erstjährigen Jubiläum der Reise abgetippt haben werde? (Und mag jemand diesen Satz auf Satzglieder untersuchen?) Wenn nein, möchte ich nur eins sagen: Im Dezember hab ich frei. *muahaha*

Und das wird auch Zeit, so langsam schlaucht das Arbeiten dann doch. Noch 3 Wochen, olé. Ich hoffe, ich werd in der Zeit nochmal auf Veranstaltung gebucht. Bin schon ganz gespannt auf das Studium, fühlt sich wirklich wie die richtige Wahl an.

Um mit einer positiven Nachricht abzuschließen: Ab dem Wintersemester 08/09 gibt es mehr BAföG. Heureka!

Verfasst von: jalea | Juli 29, 2007

5. Mai

Ja, ich hab ‘ne ganze Weile nicht mehr geschrieben. Aber eigentlich wollte ich das hier noch zu Ende bringen, also mal sehen, wie weit ich in der nächsten Zeit komme.

Es war mein dritter Morgen in London, ich hatte aufgrund schnarchender Leute und ständigem Durchgangsverkehr (so kam es mir jedenfalls vor), der auch mit Radio nicht zu übertönen war, beschissen geschlafen und sowieso fing der Tag nicht so prächtig an. Normalerweise schlaf ich ja ziemlich fest, aber irgendwie war da der Wurm drin. Zu müde, um aufzustehen, hab ich dann auch noch das Frühstück verpasst und konnte mir nur noch trockene Cornflakes reinschaufeln. Klar, ich hätte ganz lieb nach der Milch fragen können, aber hey. Kam mir schon blöd genug vor, als ich nach einer Steckdose fragte und dann merkte, dass mein Adapter nicht passte. Ok, hätte man drauf kommen können, wenn da „USA“ drauf steht… Für 3 Pfund hätte ich mir einen passenden kaufen können, aber so grob überschlagen und das nervige Handyladen bedenkend entschied ich mich dafür, das Geld stattdessen in gelegentliches Internetsurfen und Emails-Checken zu investieren. Rund 40 Minuten für 50p ist ja wohl ein mehr als guter Preis.

So machte ich mich dann handylos zum Southbank Centre auf. Es war atemberaubend. Atemberaubend hässlich. Ein Betonklotz aus den 50er Jahren, der (hoffe ich zumindest) damals schon keine Architekturpreise abgestaubt hat. Einige Tage später erfuhr ich, dass dieses Ungetüm tatsächlich einmal zum hässlichsten Gebäude Londons gewählt wurde. Zurecht, wenn man mich fragt. Das Guitar Festival dort schien nicht großartig im Gange zu sein und ich verspürte sowieso kein großes Bedürfnis, in diesem Klotz rumzulaufen. Stattdessen wollte ich das Museum of the Moving Images (MOMI) suchen, das in meinem Reiseführer angepriesen wurde und irgendwo beim Southbank Centre sein sollte. Ich fand das nett gemachte National Film Theatre und seine Cinemathek, in der man sich kostenlos an PC-Terminals mit Kopfhörern mehr oder weniger typisch englische Filme ansehen konnte. Ich meldete mich für eine Stunde an und machte es mir mit Monty Pythons Flying Circus bequem. Das hob meine von trübem Wetter und unansehnlichen Häusern angeschlagene Laune kräftig an.

Mittlerweile war es Mittag, ich schlängelte mich durch das Labyrinth mit dem Namen Waterloo Station, tauschte Traveller Cheques gegen Bargeld und fuhr endlich das erste Mal mit der Tube. Prima Sache, das. Und zwar fuhr ich abermals nach Covent Garden, um mir das Ticket für Lord of the Rings zu holen. Ich wusste zwar nachwievor nicht, ob das ein Musical oder Theaterstück oder meinetwegen auch Travestieshow war, aber im Prinzip war mir das auch egal. Der Ticketverkäufer war wirklich sehr nett und geduldig mit mir. Eigentlich wollte ich ihm die Telefonnummer des Hostels geben, falls sich bei der Vorstellung etwas ändern würde, aber in einem Anfall von Ordnung muss ich den Zettel wohl aus dem Rucksack geschmissen haben. Egal. Das Ticket im obersten Rang kam nur sagenhafte 5 Pfund, da es bei den Previews auf alle Plätze 10 Pfund Rabatt gab.

Als nächstes hab ich mich noch gut und günstig in einem engen italienischen Restaurant sattgegessen. Da liefen Leute mit Werbeschildern und Flyern herum für einen Hauptgang + Softdrink zum Mittag für nur 4,98 plus Trinkgeld. Wenn das nix ist. Die Art zu bezahlen fand ich dann doch sehr seltsam: Die Rechnung kam in einer Mappe. In diese steckte ich meinen Geldschein, die Mappe wurde wieder mitgenommen. Das Wechselgeld wurde anschließend auf einem kleinen Teller gereicht. Ich hab gehört, man solle auf diesem Teller das Trinkgeld liegenlassen, aber da das schon auf der Rechnung einkalkuliert war, hab ich mir das gespart. Covent Garden machte mir wieder richtig gute Laune, die erwähnten Straßenkünstler und Sänger legten sich echt in’s Zeug. Spontan kam dann auch endlich die Sonne raus. In der Markthalle warf ich noch einen Blick in einen spaßigen Laden namens „London Rocks“. Im Angebot: Verschiedene Memorabilia, Schallplatten, T-Shirts, …

Nun ging es auf zum Hyde Park, ein richtiger schöner Ort. Allgemein muss ich sagen, dass alle Plätze in London, wo keine Autos fahren dürfen, schonmal fantastisch sind. Eine ganze Weile saß ich einfach nur in der Sonne, bis ich mich auf nach Camden Town machte. Mit der Tube ging es nach Kings Cross, dort Cola und das TimeOut-Magazine gekauft (sehr empfehlenswerter Veranstaltungsführer). Wie immer verlief ich mich, fand den Weg, verlief mich nochmal und landete in einem samstags ziemlich verlassenen Industrieviertel.

Mit riesigen Umwegen gelangte ich schließlich ans Ziel. Herrlich turbulentes Viertel, in das ich am nächsten Tag nochmal zurückkehren wollte, diesmal hoffentlich früher. Ein ernüchternder Blick in’s Odeon (Kino): 8,80 Pfund für die billigste Karte. Der Kanal (ich hatte vorher nie gehört, dass es in London überhaupt Kanäle gibt. Ziemlich naiv, nicht?) sah sehr nett aus. Außerdem sollte dort der „Waterbus“ fahren, ein Boot, das an 3-4 Stationen haltmachte. Leider war es dafür zu spät, auch das nahm ich mir für den nächsten Tag vor. Per Tube ging es zurück in’s Hostel, wo ich den Abend abermals auf der Couch mit netten Gesprächen beendete.

Verfasst von: jalea | Juni 10, 2007

4. Mai

Hab beim Frühstück den ersten (und einzigen) Deutschen in London kennengelernt, A. aus Weimar. Zusammen haben wir Ja. Tips für seinen Deutschlandtrip gegeben. Na gut, die meisten Tips konnte A. beisteuern, da ich mich in München, besonders in seinen Brauereien und Biergärten, nicht wirklich auskenne.

Dann wollte ich endlich meine erste Tubefahrt antreten… das stellte sich leider als etwas schwierig heraus. Laut meiner gefundenen Tubemap sollte die Northern Line ab Elephant & Castle fahren. Gefunden habe ich sie nicht. Ich hab 15 Minuten damit verbracht, rund um den Platz zu laufen und die Tunnel zu erkunden und sah für die Leute auf dem kleinen Markt vermutlich ziemlich lächerlich aus. Hab mich von Wegweisern im Kreis herumführen lassen. Und hab am Ende den Bus zur London Bridge genommen und mir geschworen, auf keinen Fall nochmal die Northern Line an dieser Haltestelle zu suchen. Vielleicht hätte ich einfach mal dort aussteigen sollen, aber irgendwie hat sich das nicht ergeben.

Randbemerkung zu den Wegweisern in London: Irgendwann ging mir auf, dass diese zu einem einzigen Zweck existieren. Menschen in die Irre zu führen. Von diesem Moment an hab ich mich auf meinen Orientierungssinn und den Stadtplan verlassen und die Wegweiser gekonnt ignoriert. Naja, meistens…

Von London Bridge bin ich an der Bankside (das ist die Südseite der Themse) Richtung Tate Modern langgelaufen. Auf dem Weg gab’s eine Reihe interessanter Dinge. Das erste war ein Nachbau des Schiffes von Sir Francis Drake, der Golden Hinde, über den ich quasi gestolpert bin. Man kann dort sogar übernachten! Das wär doch mal eine Alternative. Ein interessantes Restaurant gab’s auch daneben – Zitat der Speisetafel: „Which came first, the chicken or the chili?“. Na wenn das nicht vielversprechend ist.
Ein paar Meter weiter befindet sich das Clink Prison Museum. Von außen sah es ganz gut gestaltet aus, mich haben nur erstmal die 5 Pfund Eintritt abgeschreckt. Ich wollte drauf zurückkommen, falls ich das Geld am Schluss übrig haben würde. Leider ist da nix draus geworden.
Das Wetter war, nebenbei gesagt (und weil es gerade in meinen Notizen steht) ziemlich windig, aber noch ohne Regen.
Als nächstes stand ich vor dem Globe Theatre. Hab mich drinnen ein bischen umgesehen und unter anderem den Souvenirshop begutachtet. Shakespeare-Souvenirs in Massen, Spruchtafeln, Bücher, … meine Englischlehrerin in der 12. Klasse hätte ihre helle Freude daran. Klingt es eigentlich peinlich, wenn ich sage, dass ich mir das Theater runder vorgestellt hätte? Naja, wie auch immer.

Inzwischen war es Mittag und ich wollte in die Tate Modern. Ich habe den Eingang gesucht… ich habe das Gebäude gefunden… und nach dem Hintereingang schließlich auch den Eingang selbst und dabei festgestellt, dass ich schonmal fast davor stand. Die Ausstellung fand ich gut, war in 4 Teile gegliedert plus eine kostenpflichtige Sonderausstellung, die von außen auch gut besucht aussah. Das war dann auch mein Problem, es war für meinen Geschmack verdammt voll da drin. Meine Favoriten waren wohl unter anderem deshalb auch die verschiedenen Kurzfilme, allen voran einer, in dem der Künstler drei Kameras in einer Tonne befestigt hatte und diese durch die Straßen New York Citys rollt. Ich liebe diese Perspektivveränderungen.

Wieder draußen gab’s erstmal einen leckeren Hot Dog mit Zwiebeln für mich und danach ging’s zurück zur London Bridge. Den London Dungeon dort kann man kaum verfehlen, also keine Sucherei dieses Mal. Der Dungeon ist verdammt genial gemacht, hat mir großartig gefallen. Es gibt herrlich gruftig gestaltete Gänge, ein Spiegellabyrinth, aus dem wir nicht von selbst heraus gefunden haben (ob das wohl so gewollt war), einen relativ harmlosen Freefall am Ende und nicht zuletzt wunderbare Darsteller. Freaky Job! Themen sind natürlich Folter und Hinrichtungen, außerdem das Great Fire of London („London is on fire! Come take a look!“) und Jack the Ripper. Im angeschlossenen Shop gibt es auch eine Reihe seeeehr interessante Dinge. Leider hatte ich gerade mal 11pence übrig, nachdem der Eintritt etwas höher ausgefallen ist, als in meinem Reiseführer stand. Das kommt davon, wenn man den Reiseführer von vor 10 Jahren mitnimmt. 19 Pfund inklusive eines 5-Pfund-Gutscheines für Attraktionen in England ab November, den ich wohl kaum einlösen werde, kam der Spaß. In dem schummrigen Licht an der Kasse hab ich natürlich nichts von dem ungewohnten Geld erkannt und der Kassiererin ganz stumpf die ganzen Münzen gegeben und sie gebeten, sich das Eintrittsgeld doch bitte selbst rauszusuchen. Ich hatte ja schon befürchtet, es würde nicht reichen, aber wie gesagt. Gelohnt hat sich’s trotzdem!

So abgebrannt hab ich mich dran gemacht, einfach irgendeinen Teil Londons zu erkunden. Ich bin in den nächstbesten Zug gestiegen und irgendwo ein Stück südlich von Greenwich gelandet. Ich hab nicht mal den Namen des Viertels aufgeschrieben, es könnte aber entweder Lewisham oder New Cross gewesen sein… wobei ich zu Lewisham tenidere. Dort hab ich mich kurz umgesehen, festgestellt, dass es nicht viel zu sehen gibt und bin im stilvollen roten Doppeldeckerbus, natürlich oben sitzend, quer durch Greenwich zurück in die Innenstadt gefahren. Schon spaßig, die Hinfahrt mit der National Rail hat vielleicht 15 Minuten gedauert, die Rückfahrt mit dem Bus circa eine Stunde. Dafür sieht man dabei auch mehr. Greenwich sah wie ein richtig schönes Viertel aus, das würde ich mir noch genauer ansehen. Natürlich inklusive Observatorium und Nullmeridian.

Am nächsten Tag wollte ich zum Southbank Centre, wo ein Guitar Festival stattfinden sollte, zu American Express (AmEx) um wieder zu Bargeld zu kommen (11p, wir erinnern uns) und nach Camden Town. Am Abend dieses dritten Tages war mein Handyakku runter, im Zimmer hab ich keine Steckdose gefunden, ich wollte also am nächsten Morgen mal nach einer Lademöglichkeit fragen.

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